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Olympia 2026: Schweizerinnen mit starker Partie gegen Kanada

Canada's Renata Fast (14) challenges with Switzerland's Laura Zimmermann (11) during a women's ice hockey semifinal game between Canada and Switzerland at the 2026 Winter Olympics, in M ...
Aufsässige Schweizerinnen: Das Team von Trainer Colin Muller brachte Kanada ins Straucheln (hier Laura Zimmermann gegen die Kanadierin Renata Fast). Bild: keystone
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Drama pur, historisch knapp und Bronze wäre keine Sensation

Es war nur eine weitere erwartete Niederlage. Aber es war ein 1:2 im olympischen Halbfinal gegen Kanada. Und gegen Kanada ist ein 1:2 keine gewöhnliche Niederlage. Es ist eine Ehrenmeldung. Am Donnerstag geht es gegen Schweden um Bronze.
17.02.2026, 05:2317.02.2026, 05:23
klaus zaugg, mailand

Wenn wir dieses Spiel auf die Niederlage reduzieren, dann verkennen wir den historischen Wert dieses Resultates. Rückblickend werden wir dereinst diese Partie vielleicht als den Anfang eines Entwicklungsschubes unseres Frauenhockeys einordnen. Ähnlich wie damals der Sieg der Männer gegen die kanadischen NHL-Profis 2006 beim Olympischen Turnier von Turin.

Kanada hat bisher bei allen olympischen Turnieren (seit 1998) den Final erreicht und jeden Halbfinal mit mindestens zwei Toren Differenz gewonnen. Es war also gegen die Schweiz historisch knapp. In der Schlussphase war beim himmelhohen Favoriten Unsicherheit und Nervosität bis unters Hallendach zu spüren. Keine Panik zwar. Aber Zweifel.

Am Anfang jeder Entwicklung steht die Defensive. Sie ist mehr eine Frage der taktischen Klugheit, der Leidenschaft, der Disziplin und des Mutes und weniger des puren Talentes wie die Offensive. Die Schweizerinnen sind defensiv ganz oben in der Weltspitze angekommen. Sie weisen im Viertelfinal gegen Finnland und im Halbfinal gegen Kanada ein Torschussverhältnis von insgesamt 22:86 auf. Daraus resultiert ein Sieg (1:0 gegen Finnland) und eine Niederlage (1:2 gegen Kanada und ein Torverhältnis von 2:2.

Natürlich ist auch etwas Glück dabei. Aber auch gegen Kanada nicht mehr als im Hockey üblich. Die Schweizerinnen biegen sich unter dem permanenten Druck. Aber sie brechen nie. Das Defensivspiel bleibt strukturiert. Kein wildes Wegschlagen der Scheibe. Stattdessen: Struktur, Kompaktheit, Disziplin. Diese solide Abwehr ist eine gute Balance aus Mut und Verstand. Abgesichert von Andrea Brändli, einem der besten Goalies der Welt. Sie kann auf höchstem Weltniveau Siege stehlen. So sind im Eishockey auch bei so klarer statistischer Unterlegenheit Siege möglich.

Canada's Blayre Turnbull attempts to score next to Switzerland's Andrea Braendli, left,during a semifinal match of women's ice hockey between the Canada and Switzerland at the 2026 Wint ...
Erneut eine Bank: Andrea Brändli machte den Kanadierinnen das Leben schwer.Bild: keystone

Wie beim 1:0 im Viertelfinal gegen Finnland (14:40 Torschüsse). Oder wie bei den Männern beim historischen 2:0 in den Gruppenspielen gegen die kanadischen NHL-Profis 2006 in Turin. Mit einem Torschussverhältnis von 17:49. Auch damals war es nicht die Offensive, die Geschichte schrieb. Es war die defensive Organisation und Torhüter Martin Gerber. Aussenseiter gewinnen keinen offensiven Schlagabtausch. Sie gewinnen Geduldsspiele.

Eine der grössten olympischen Hockey-Sensationen lag in der Schlussphase in der Luft. Nationaltrainer Colin Muller haderte nach dem Spiel:

«Ich glaubte an einen Sieg. Von allem Anfang an. Die Kanadierinnen waren verunsichert und wenn uns das 1:0 gelungen wäre, hätte es enden können wie damals 2006 bei den Männern in Turin.»

Wo der Nationaltrainer recht hat, da hat er recht. Das letzte Drittel zeigte die Unsicherheit des Favoriten und zum ersten Mal in der Geschichte nahmen die Schweizerinnen gegen Kanada den Goalie vom Eis, um den Ausgleich zu erzwingen. Erst eine Strafe gegen Ivana Wey bremst wegen unerlaubtem Bodycheck nach 58:08 Minuten den finalen Schwung der Schweizerinnen und erlöst Kanada. Drama pur.

Nicht nur die solide Defensive machte es möglich, die Kanadierinnen zum ersten Mal in der Geschichte bis ganz zuletzt zu fordern. Es war auch ein neues Selbstvertrauen. Alina Müller bringt es auf den Punkt:

«Es machte Spass, dass wir erstmals in dieses Spiel gegangen sind, um zu gewinnen. Wir hatten nichts zu verlieren. Wir sind enttäuscht, dass wir zwei Drittel lang nicht so spielen konnten wie im letzten Drittel als wir Chancen kreierten. Wir können nun mit diesem Momentum weiterfahren. Es ist Zeit für eine neue Medaille. Wir kennen Schweden gut. Wenn wir so spielen wie im letzten Drittel, haben wir eine gute Chance.»

Alina Müllers Worte verraten: Es gibt auch ein neues Denken. Und diese Zuversicht gründet auf einer erstaunlichen Robustheit: Die Schweizerinnen sind zwar nach wie vor nicht so kräftig wie die Kanadierinnen. Aber sie lassen sich nicht mehr einfach wegschieben, wegdrücken und einschüchtern. Sie gehen auf Augenhöhe in die Zweikämpfe.

Die Hätte und der Könnte. Ein Geschwisterpaar, das immer mit leeren Händen dasteht. Am Ende eines grossen Spiel bleibt nur statistischer Ruhm: Im 20. Spiel gegen Kanada die knappste Niederlage. Das zuvor engste Spiel war das 1:3 im Halbfinal beim Olympischen Turnier 2014 in Sotschi bei 21:45 Torschüssen. Damals gewannen die Schweizerinnen dann das Bronze-Spiel gegen Schweden. 4:3. Gegen Schweden. Lara Stalder und Alina Müller waren auch damals dabei.

Aber diesmal ist die Ausgangslage eine andere. 2014 war die Medaille eine Sensation. Am Donnerstag wäre sie Bestätigung. Ja, fast logisch.

Switzerland's players are dejected afte during a semifinal match of women's ice hockey between the Canada and Switzerland at the 2026 Winter Olympics, in Milan, Italy, Monday, Feb. 16, 2026. ...
Die Schweizerinnen verlassen das Eis gegen Kanada erhobenen Hauptes und haben eine gute Chance auf den Gewinn von Bronze.Bild: keystone

P.S. Auch über die Kanadierinnen gab es in diesem Spiel historisches zu berichten: Mit den zwei Treffern gegen die Schweiz ist Marie-Philip Poulin (34) nun vor ihrer Landsfrau Hayley Wickenheiser die beste Torschützin in der Geschichte des olympischen Frauenhockeys.

Canada's Marie-Philip Poulin celebrates after scoring her second goal of the game during the second period of a women's ice hockey semifinal match against Switzerland at the 2026 Winter Olym ...
Marie-Philip Poulin schreibt gegen die Schweiz Hockey-Geschichte.Bild: keystone
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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mario 66
17.02.2026 07:24registriert November 2015
Schade habe ich das letzte drittel verpasst, ich bin nach 40 minuten aufgrund eines verheerenden zusammenspiels aus einem zerfahrenen spiel, komplett fehlender stimmung, fortschreitender uhrzeit und christoph sterchis monotoner stimme kurz weggenickt
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Zum Kommentar
12
Schade, dass die Olympia-Macher beim Skibergsteigen nicht mutiger waren
Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Für die Schweiz war die olympische Premiere des Skibergsteigens ein fantastischer Erfolg: Die 30-jährige Neuenburgerin Marianne Fatton gewann das erste Gold in der Geschichte ihrer Sportart. Auch im Mixed-Bewerb startet die Schweiz am Samstag mit grossen Hoffnungen auf eine Medaille, bei den Männern wurden Arno Lietha und Jon Kistler Vierter und Sechster.
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